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Berliner Testament

Beim Berliner Testament setzen sich die Ehepartner in einem gemeinschaftlichen Testament gegenseitig zu alleinigen Erben ein. Die Kinder sollen das Vermögen beider Elternteile erst nach dem Tod beider Ehepartner erben. Eine solche Verfügung hat für den überlebenden Ehegatten den Vorteil, dass er in der Verfügung über den Nachlass nicht beschränkt ist und somit frei darüber verfügen kann. Im Falle des Todes des zweiten Elternteils, geht das Vermögen beider Elternteile dann als eine (vereinigte) Vermögensmasse auf die Kinder über.

Ergänzt wird das Berliner Testament häufig durch eine Pflichteilsstrafklausel. Diese soll verhindern, dass die Kinder nach dem Tod des erstverstorbenen Ehegatten Pflichtteilsansprüche geltend machen.

Zudem wird durch verschiedene Klauseln Vorsorge für den Fall der Wiederverheiratung des überlebenden Ehegatten getroffen, weil hierdurch ja neue Pflichtteilsberechtigte entstehen (Ehegatte und ggf Kinder aus der neuen Ehe).

Die Nachteile des „Berliner Testaments“ liegen in erbschaftsteuerlicher Hinsicht: Die den Kindern zur Verfügung stehenden Freibeträge (derzeit € 400.000,– je Kind gegenüber jedem Elternteil) werden „verschenkt“. Daher wählen Eltern, die über größeres Vermögen (über € 500.000,– in der Hand des erstversterbenden Ehegatten) verfügen, häufig andere Lösungen: Denkbar ist z. B., zur steueroptimalen Ausnutzung der Freibeträge den überlebenden Ehegatten und die Kinder in gleicher Quote zu einander einzusetzen, wie ihre Freibeträge zueinander stehen (derzeit bei beispielsweise zwei Kindern also 5/14 zu 4/14 zu 4/14), den überlebenden Ehegatten jedoch zum Dauertestamentsvollstrecker über die Anteile der Kinder zu ernennen, so dass er nicht durch die Nachkommen „überstimmt“ werden kann. Verkauft allerdings der überlebende Ehegatte Nachlassvermögen, fließen die Erlöse bezüglich der Anteile der Kinder wiederum in deren Vermögen!

 

Kostenlose Muster für verschiedene Varianten des Berliner Testaments:

Muster Berliner Testament

 

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4 Responses to "Berliner Testament"

  • Dieter Vogel
    2. Februar 2014 - 5:22 pm Reply

    Welche Klausel im Berliner Testament ist notwendig wenn der Ehemann eine erwachsene Tochter aus erster Ehe hat?

    • stancke
      24. Februar 2014 - 5:17 pm Reply

      Das hängt von Ihren Gestaltungswünschen ab.

      Die Tochter kann wie ein gemeinsames Kind als Schlusserbin nach dem letztversterbenden Ehegatten eingesetzt werden. Zu beachten ist aber, dass Sie beim Tode des Vaters (nicht der Stiefmutter) einen Pflichtteilsanspruch hat. Wenn damit zu rechnen ist, dass sie diesen gegen den Willen der Stiefmutter geltend macht, kann ein sog. Pflichtteilsstrafklausel formuliert werden.

  • Custode, Iris
    1. April 2014 - 3:09 pm Reply

    Wir möchten ein möglichst “einfaches” Berliner Testament aufsetzen lassen. Mit welchem Zusatz oder Passus können wir verhindern, dass unser Sohn oder bei dessen Tod ggf. unsere Schwiegertochter (als Vormund unserer Enkeltochter) Pflichtteilsansprüche an den überlebenden Ehegatten sofort geltend
    macht?

    • stancke
      2. Juni 2014 - 5:13 pm Reply

      Einen gewissen Schutz hiergegen bietet eine sogenannte Pflichteilsstrafklausel:

      Sie setzen die Kinder verbindlich als Schlusserben des Längerlebenden ein. Kinder, die beim ersten Erbfall den gesetzlichen Pflichtteil geltend machen, erhalten aber nach der Pflichtteilsstrafklausel auch beim zweiten Erbfall nur den Pflichtteil.

      Ob eine solche Klausel wirksam ist, hängt aber auch davon ab, wie das Vermögen unter den Eheleuten verteilt ist.

      Ganz sicher gehen Sie, indem Sie mit Ihrem Sohn einen Erbvertrag abschließen, in dem diese auf den Pflichtteil für den ersten Erbfall verzichten.

      MfG,
      RA Stancke

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